Markenaufbau: Warum der Fluch des Wissens deine Botschaft unnötig kompliziert macht

Du willst deinen Markenaufbau voranbringen – aber alles, was du schreibst, klingt entweder zu kompliziert oder wie etwas, das man schon 100x gelesen hat. Wenn dir das bekannt vorkommt: Sehr wahrscheinlich bist du gerade in einer typischen Denkfalle gelandet – dem Fluch des Wissens.

Porträt von Marco Barooah-Siebertz, welcher hier über den Markenaufbau spricht

Markenaufbau scheitert selten am Angebot, sondern an der Erklärung

Viele Gründer:innen und Teams haben ein starkes Produkt, klare Kompetenz und gute Referenzen. Trotzdem bleibt die Außenwirkung diffus. Der Grund ist oft simpel: Wer tief im eigenen Thema steckt, unterschätzt, wie wenig Kontext Außenstehende haben. Intern wirkt alles logisch, aber extern wirkt es häufig wie ein Puzzle ohne Bild auf der Verpackung.

Und dann passiert Folgendes:

  • Texte werden länger
  • Botschaften werden schwammiger
  • Nutzen verschwindet zwischen Features, Prozessdetails und Fachbegriffen

Kund:innen denken aber nicht in deinen internen Kategorien. Sie wollen vor allem eins wissen: „Was hab ich davon?“

Das gilt für Websites, Pitchdecks, LinkedIn-Posts, Sales Calls – eigentlich für jeden Touchpoint. Wenn die Antwort auf diese eine Frage nicht innerhalb weniger Sekunden klar wird, springen viele gedanklich ab.

Was ist der Fluch des Wissens (eine kognitive Verzerrung)?

Der Fluch des Wissens (auch Curse of Knowledge) ist eine kognitive Verzerrung:

Je mehr du über dein Thema weißt, desto schwerer fällt es dir, so zu kommunizieren, dass Menschen ohne Vorwissen es sofort verstehen. Im Markenaufbau zeigt sich das besonders stark, weil du ständig Entscheidungen triffst, die für dich “logisch” sind, für andere aber nicht. Du siehst das große Ganze. Deine Zielgruppe sieht nur einen Ausschnitt.

Typische Gedanken dabei:

  • „Das muss man einmal kurz erklären …“
  • „Ich geb lieber noch Kontext, damit’s niemand falsch versteht.“
  • „Das ist doch selbsterklärend.“

Leider führt genau das häufig zum Gegenteil: Man erklärt so viel, dass niemand mehr den Kern erkennt. Und das passiert nicht nur bei Texten. Auch bei Angeboten, Präsentationen und Produktnamen.

Warum wir so schnell zu viel erklären

Der Fluch des Wissens hat einen fiesen Nebeneffekt: Er klingt nach Qualität. Denn „mehr Kontext” fühlt sich im ersten Moment an wie Professionalität. In Wahrheit ist es häufig ein Schutzmechanismus:

  • Angst vor Verkürzung: „Wenn ich’s kurz mache, klingt es banal.“
  • Angst vor Missverständnissen: „Ich muss alle Fälle abdecken.“
  • Angst vor Abgrenzung: „Wenn ich mich festlege, verliere ich potenzielle Kund:innen.“

Das Ergebnis ist dann oft eine “sichere” Kommunikation. Sicher im Sinne von: nicht angreifbar. Aber auch nicht merkbar.

3 typische Symptome für den Fluch des Wissens

1) Du erklärst Features statt Nutzen

Du beschreibst, wie etwas funktioniert – aber nicht, warum das wichtig ist. Genau hier beginnt gute Nutzenkommunikation: weniger Technik, mehr Wirkung.

Beispiel (Feature → Nutzen):
Feature: „Wir machen einen Workshop mit Stakeholder-Mapping, Value Proposition Canvas und Messaging.“
Nutzen: „Wir bringen in 1–2 Tagen Klarheit, wofür du stehst und was du sagen musst, damit Kund:innen sofort verstehen, warum sie dich brauchen.“

Der Nutzen darf nicht “zwischen den Zeilen” liegen. Er muss vorne stehen, sonst wird’s anstrengend für Leser:innen.

2) Du packst zu viel in eine Botschaft

Viele Zielgruppen, viele Leistungen, viele Themen: alles gleichzeitig. Das wirkt “umfassend”, aber selten “klar”. Für eine starke Markenpositionierung braucht es Priorisierung und einen Fokus, der sofort verständlich ist. Ein häufiger Fehler: Die Marke soll „für alle” passen. Dann passt sie am Ende für niemanden richtig gut.

3) Deine Texte klingen korrekt, aber nicht merkbar

Aus Angst vor Verkürzung entsteht ein Text, der nichts falsch macht… aber auch nichts auslöst. Eine klare Markenbotschaft darf kantig sein: ein Kernnutzen, eine klare Sprache, ein eindeutiges Versprechen.

Merkbarkeit entsteht fast immer durch Entscheidung: Welche Perspektive? Welche Worte? Welche Haltung? Welche Aussage lassen wir bewusst weg?

Die unsichtbaren Kosten von unklarem Markenaufbau

Unklare Kommunikation ist nicht nur ein „Marketingproblem”. Sie kostet messbar Zeit und Geld, vor allem intern:

  • Mehr Abstimmungsschleifen (weil niemand sicher ist, was “die Marke” eigentlich sagt)
  • Mehr Korrekturrunden (weil Texte nicht treffen und ständig nachgeschärft werden)
  • Schlechtere Lead-Qualität (weil die falschen Menschen sich angesprochen fühlen)
  • Höhere Akquisekosten (weil du mehr erklären musst – in Calls, Mails, Pitches)

Gerade bei Unternehmen im Wachstum wird das schnell zum Flaschenhals. Du kannst nicht skalieren, wenn jede Kommunikation ein Einzelstück ist.

Warum externe Perspektive so wertvoll ist

Externe Hilfe ist nicht deswegen sinnvoll, weil du es nicht kannst. Sondern weil du zu nah dran bist.

Ein:e Sparringspartner:in oder eine Agentur bringt:

  • Distanz: Was ist wirklich relevant und was ist nur intern spannend?
  • Übersetzung: Von Fachsprache zu Kundensprache
  • Priorisierung: Ein Kernversprechen statt 20 Themen
  • Schärfung: Klare Positionierung, klare Nutzenargumente, klare Tonalität

Vor allem wirkt externe Perspektive wie ein Filter: Sie hilft dir, schneller zu erkennen, welche Formulierungen “inside baseball” sind und welche draußen wirklich verstanden werden.

Gerade beim Branding für KMU ist das oft ein entscheidender Hebel: weniger Abstimmungsschleifen, schneller Klarheit, bessere Wirkung nach außen. Und zwar ohne monatelange Strategieprojekte.


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Ein praktischer Weg raus: vom „alles erklären” zu klarer Nutzenkommunikation

Wenn du deinen Markenaufbau vereinfachen willst, hilft eine simple Reihenfolge:

  1. Ergebnis zuerst: Was ist das konkrete Resultat?
  2. Problem klar benennen: Welchen Schmerz nimmst du weg?
  3. Proof: Warum sollte man dir glauben? (Case, Zahl, Beispiel)
  4. Wie nur so viel wie nötig: Prozess erklären, aber erst danach.

Viele Websites drehen diese Reihenfolge um. Sie starten beim „Wie” und wundern sich, dass niemand dranbleibt.

KI & Markenaufbau: Ohne Fundament entsteht nur Einheitsbrei

Viele Teams setzen heute KI ein, um schneller Content zu produzieren: LinkedIn-Posts, Website-Texte, Sales-Mails, Landingpages. Das kann sehr gut funktionieren, aber nur mit klaren Leitplanken aus Positionierung, Tonalität und Nutzenkern.

Ohne Markenfundament passiert allerdings oft:

  • zu viel Kontext im Prompt
  • zu viele Richtungen
  • zu wenig klare Aussage

Und das Ergebnis klingt austauschbar. Häufig liest man dann Sätze wie:

  • „Wir sind innovativ und kundenorientiert …“
  • „Wir bieten maßgeschneiderte Lösungen …“
  • „Wir begleiten ganzheitlich …“

Das ist nicht falsch, aber es ist nicht unterscheidbar. KI verstärkt entweder Klarheit – oder Unschärfe. Für erfolgreichen Markenaufbau ist das Markenfundament daher wichtiger denn je.

Ein guter Start: Markenstrategie Workshop statt Bauchgefühl

Wenn du beim Markenaufbau merkst, dass du dich im Kreis drehst, hilft oft ein strukturierter Markenstrategie Workshop. Ziel ist nicht „mehr Material”, sondern Klarheit:

  • Wofür stehen wir (in einem Satz)?
  • Welche Zielgruppe ist wirklich relevant?
  • Welchen Nutzen sollen Kund:innen sofort verstehen?
  • Welche Sprache passt zu uns (und zu unserem Markt)?
  • Welche Beispiele und Proofs stützen unsere Aussage?

Der Vorteil: Nach so einem Workshop hast du nicht nur ein besseres Gefühl, sondern konkrete Bausteine für Website, Sales, Content und KI.

Der 1-Satz-Test: Verhaftet deine Marke ohne Kontext?

Ein schneller Reality-Check:
Kannst du in einem Satz sagen, was du machst. Und zwar so, dass es auch deine Eltern oder Großeltern verstehen?

Wenn nicht: Das ist normal. Aber es ist ein Signal, dass dein Markenaufbau gerade am “Fluch des Wissens” hängt – nicht am Wert deines Angebots.

Noch ein Bonus-Test (für Teams): Wenn drei Kolleg:innen deinen 1-Satz-Pitch jeweils unterschiedlich formulieren, fehlt euch wahrscheinlich ein gemeinsamer Kern.

Fazit

Guter Markenaufbau bedeutet nicht, alles zu erklären. Guter Markenaufbau bedeutet, das Richtige so klar zu sagen, dass es sofort verstanden wird. Und manchmal braucht es dafür genau das, was intern fehlt: eine Perspektive von außen.


FAQ

Was bedeutet „Fluch des Wissens“?

Der Fluch des Wissens ist eine kognitive Verzerrung: Expert:innen unterschätzen den fehlenden Kontext ihrer Zielgruppe. Dadurch wird Kommunikation im Markenaufbau oft zu komplex.

Woran merke ich, dass meine Markenbotschaft zu kompliziert ist?

Wenn du viel erklärst, aber wenig hängen bleibt: lange Texte, viele Fachbegriffe, Features statt Nutzen und keine klare Aussage in einem Satz.

Warum hilft externe Unterstützung beim Markenaufbau?

Externe Perspektive bringt Distanz, Priorisierung und Übersetzung in Kundensprache. Das reduziert Betriebsblindheit und schärft Markenpositionierung und Nutzenkommunikation.

Wie hängt KI mit Markenaufbau zusammen?

KI liefert ohne Markenfundament oft austauschbare Inhalte. Mit klarer Positionierung, Tonalität und Nutzenkern wird KI zum Skalierungshebel.

Was ist der beste Schnelltest für eine klare Positionierung?

Der 1-Satz-Test: Kannst du dein Angebot in einem Satz erklären, den auch Menschen außerhalb deiner Branche sofort verstehen?

Bild von Marco Barooah-Siebertz

Marco Barooah-Siebertz

Als Geschäftsführer von Superblau setze ich in Design und Marketing auf die Kraft von Co-Kreation und Workshops. Ich bin Storyteller und Experte für Kommunikation in Medizin, Technologie und Wissenschaft.

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