Positionierung in der Medizintechnik: Wie wir mit AEOLUS Europe einen neuen Branchenbegriff entwickeln

Was Positionierung der Veterinärmedizintechnik zu einer besonderen Aufgabe macht – und wie wir mit AEOLUS Europe die Markenidentität entwickeln.

Das Bild zeigt zwei Logos, eines von AEOLUS, das andere von Superblau, welche Positionierung Medizintechnik vornimmt. Im Hintergrund das Display einer ICU.
Was Positionierung der Veterinärmedizintechnik zu einer besonderen Aufgabe macht – und wie wir mit AEOLUS Europe die Markenidentität entwickeln.

Der Auftakt: Warum wir uns auf die Arbeit mit AEOLUS Europe freuen

Es gibt Kundenprojekte, bei denen man schon in der ersten Stunde des Workshops merkt: Hier passt etwas zusammen. Werte, Klarheit, Ambition. AEOLUS Europe ist genau so ein Projekt.

Anfang des Jahres haben wir mit AEOLUS Europe den Brand Foundation Sprint begonnen. Ein 5-tägiger, strukturierter Prozess, in dem wir gemeinsam mit dem Team Positionierung Medizintechnik, Markenidentität, Messaging und KI-Enablement aufbauen. Was uns sofort aufgefallen ist: Hier wollte ein Unternehmen nicht eine schnelle Marketing-Welle reiten. Hier ging es um etwas Grundsätzliches – darum, einer Branche eine Sprache zu geben, die sie noch nicht hat.

AEOLUS entwickelt unter anderem veterinärmedizinische Intensivstationen, die Tierintensivpflege mit dem gleichen technologischen Anspruch behandeln wie die Humanmedizin. Touchscreen-gesteuerte ICU-Einheiten mit präziser Sauerstoff-, Temperatur- und Luftfeuchteregelung. UV-Desinfektion zwischen Patienten. Stressreduzierende Lichttherapie. NIR-Behandlung zur Geweberegeneration. Kurz: Critical Care auf einem Niveau, das in der Tiermedizin bisher schlicht nicht verfügbar war.

Wir freuen uns sehr, dieses Unternehmen bei seiner Positionierung und beim Markteintritt für Europa zu begleiten. Und dieser Beitrag gibt einen ersten Einblick in das, was bisher entstanden ist – und warum die Aufgabe, eine Marke in der Medizintechnik aufzubauen, anders funktioniert als in anderen B2B-Branchen.

Warum Positionierung in der Medizintechnik eine eigene Disziplin ist

Bevor wir in den Sprint eintauchen, ein kurzer Blick auf den Markt: Medizintechnik ist eine Branche, in der Engineering-Exzellenz traditionell wichtiger ist als Markenklarheit. Das Produkt überzeugt, die Vertriebspipeline läuft, also: Warum überhaupt eine Positionierung?

Drei Gründe, warum sich das gerade ändert:

1. Regulatorische Klarheit reicht nicht mehr für Differenzierung

Wer in der Medizintechnik kommuniziert, bewegt sich in regulatorischen Korridoren. Aussagen müssen belegbar sein, Heilversprechen sind tabu, Werbung folgt strengen Standards. Das hat dazu geführt, dass viele Medizintechnik-Marken im Ergebnis sehr ähnlich klingen – funktional, sachlich, austauschbar. In einem Markt mit wachsendem Wettbewerbsdruck wird genau diese Austauschbarkeit zum Problem.

2. Buying Center werden komplexer

Eine Kaufentscheidung in einer Klinik wird heute selten von einer Person allein getroffen. Geschäftsführung, Klinikleitung, medizinisches Personal, Einkauf, IT – alle haben unterschiedliche Anforderungen, unterschiedliche Sprachen, unterschiedliche Schmerzpunkte. Eine Marke, die nur eine dieser Rollen anspricht, verliert an Boden gegenüber einer, die das ganze Buying Center mitnimmt.

3. KI-Suche verändert, wie Kund:innen recherchieren

ChatGPT, Perplexity und Google AI Overviews ersetzen schrittweise die klassische Suche. Wer in einer KI-Antwort als Empfehlung auftaucht, braucht eine konsistente Geschichte – nicht nur gute Produkt-Datenblätter. Eine Marke, die in jeder Quelle dieselbe Sprache spricht, wird weiterempfohlen. Eine, die widersprüchlich kommuniziert, fliegt raus.

Für AEOLUS Europe kam ein vierter Punkt dazu: Der Markt selbst ist im Umbruch. Die Tiermedizin professionalisiert sich rasant. Was vor zehn Jahren in vielen Praxen pragmatische Improvisation war, wird heute zur klinischen Disziplin. Tierintensivstationen, einst nur an wenigen Universitätskliniken zu finden, halten Einzug in größere Tierkliniken und spezialisierte Zentren. Die Branche braucht eine Sprache für diesen Übergang. Und genau dort setzt unsere Arbeit an.

Tag 2 im Sprint: Werkstatt der Markenidentität

Der Brand Foundation Sprint ist in fünf Tage gegliedert. Tag 1 ist der Preflight – Audit der bestehenden Materialien, Hypothesenbildung, Workshop-Vorbereitung. Tag 2 ist der eigentliche Co-Creation-Workshop zur Markenidentität. Genau hier sind wir mit AEOLUS Europe ein gutes Stück gegangen.

Brand Foundation Sprint mit AEOLUS: Drei Personen stehen nebeneinander – David Song, CEO von AEOLUS, Klaus-Peter von der Eltz, CEO von AEOLUS Europe und Marco Barooah-Siebertz, Geschäftsführer von Superblau und Workshop Moderator

Was passiert an einem solchen Tag konkret? Vier Schritte, die aufeinander aufbauen:

1. Zielgruppen schärfen: Wer kauft – und warum?

Die erste Übung im Workshop ist immer die ehrlichste: Wir zwingen das Team, die eigentlichen Entscheider:innen zu benennen. Nicht generisch („Tierärzte“), sondern segmentiert. Welche Klinikgrößen? Welche Spezialisierungen? Welche Investitionszyklen? Welche Auslöser führen dazu, dass jemand eine Investition wie eine ICU-Anlage prüft – ein neuer medizinischer Standard, ein Wachstumsschritt, ein Generationswechsel in der Klinikleitung?

Bei AEOLUS Europe wurde dabei sichtbar, dass die Kundenlandschaft heterogener ist, als man auf den ersten Blick denkt. Es gibt Universitätskliniken mit Forschungsanspruch. Es gibt große Tierkliniken mit 24/7-Notfallbetrieb. Es gibt spezialisierte Zentren – Onkologie, Kardiologie, Neonatologie. Jede dieser Gruppen hat andere Treiber, andere Sprachen, andere Erwartungen an einen Hersteller. Eine Marke, die alle gleich behandelt, wirkt für niemanden überzeugend.

2. Differenzierung bestimmen: Was kann nur ihr?

Eine der schwersten Übungen für Geschäftsführungen ist die ehrliche Differenzierung. Nicht „wir sind innovativer“, „wir haben höhere Qualität“, „wir sind kundenorientierter“ – das sagen alle. Sondern: Was tut ihr konkret, das andere nicht tun?

Bei AEOLUS Europe wurde schnell deutlich, dass die Differenzierung nicht in einzelnen Features liegt – sondern im Anspruch dahinter. Nämlich: Tierintensivpflege mit der gleichen Sorgfalt, Präzision und Würde zu behandeln, mit der die Humanmedizin in den letzten 20 Jahren ihre Patient Experience entwickelt hat. Das ist mehr als ein technisches Versprechen. Es ist eine Haltung gegenüber Tieren als Patienten. Und genau aus dieser Haltung heraus entstand der Begriff, der die Marke heute trägt.

3. Nutzenversprechen bauen: Was ändert sich für eure Kund:innen?

Differenzierung allein reicht nicht. Sie muss in einen konkreten Nutzen übersetzt werden – sonst bleibt sie Selbstreflexion. Die Frage in dieser Phase: Was ändert sich messbar in einer Klinik, die mit AEOLUS arbeitet? Bessere Outcomes durch präzisere Sauerstofftherapie. Reduzierte Stressreaktionen durch durchdachte Lichtsteuerung. Niedrigere Infektionsraten durch UV-Desinfektion. Schnellere Erholung durch NIR-Therapie. Aber auch: ein Anspruch nach außen, mit dem sich die Klinik positionieren kann – als Einrichtung, die in Critical Care für Tiere keine Kompromisse macht.

4. Markenprinzipien definieren: Wie sprechen, handeln, entscheiden wir?

Am Ende des Tages stehen Prinzipien. Keine Werte-Plakate. Sondern Sätze, die im Alltag tragen: Wenn wir eine Entscheidung treffen müssen, was leitet uns? Wie sprechen wir mit Kund:innen, mit Partnern, mit dem eigenen Team? Was tun wir nie, auch wenn es geschäftlich attraktiv wäre?

Diese Prinzipien sind das Fundament für alles, was danach kommt: Brand Story, Messaging, KI-Enablement, visuelle Identität. Sie sind das, was später dafür sorgt, dass eine Marke konsistent klingt – auf der Website, im Sales-Deck, im LinkedIn-Post, in der Kongress-Ansprache.

Animal Experience: Der Begriff, der sich aus der Arbeit ergeben hat

Im Laufe des Tages ist etwas passiert, was in solchen Workshops manchmal vorkommt – und immer der Moment ist, an dem man weiß, dass etwas Tragfähiges entsteht: Ein Begriff drängt sich auf, den vorher niemand gesucht hatte.

In diesem Fall war es Animal Experience.

Der Begriff ist offenbar inspiriert von „Patient Experience“ in der Humanmedizin – einem Konzept, das die Behandlung von Menschen längst über reine Therapie hinaus erweitert hat. Tageslicht im Patientenzimmer, gedämpfte Akustik in der Notaufnahme, Lichtsteuerung zur Beruhigung, würdevolle Kommunikation. All das sind keine Nebensächlichkeiten. Sie verbessern messbar Outcomes – weil weniger Stress, mehr Würde und mehr Kontrolle die Heilung unterstützen.

In der Tiermedizin gibt es diesen Begriff bisher nicht. Tiere werden in Kliniken oft noch wie Diagnosen behandelt: medizinisch korrekt, technisch versorgt, aber mit wenig systematischem Blick auf das, was sie als Patienten erleben. Stress durch Lärm. Verunsicherung durch fremde Lichtverhältnisse. Cross-Kontamination durch nicht ausreichend desinfizierte Umgebungen. Verzögerte Erholung durch Umgebungen, die auf Praktikabilität optimiert sind, aber nicht auf das Wohl des Tieres.

AEOLUS Europe baut Geräte, die genau das ändern. Eine ICU mit blauer Lichttherapie zur Stressreduktion ist kein Marketing-Gimmick. Sie ist die technische Umsetzung einer Haltung, die in der Humanmedizin selbstverständlich geworden ist und in der Tiermedizin gerade erst Einzug hält. Und genau diese Haltung braucht einen Begriff, der sie trägt. Zum besseren Verständnis, hier ein paar Infos zu ICU von der US-Website.

Animal Experience ist dieser Begriff. Er ist neu. Er ist in der Branche noch nicht besetzt. Und er hat das Potenzial, mehr zu werden als ein Marken-Claim für ein einzelnes Unternehmen – nämlich ein Konzept, das eine ganze Branche neu sortiert.

Was Medizintechnik-Unternehmen daraus mitnehmen können

Auch wenn der Sprint mit AEOLUS Europe noch nicht abgeschlossen ist, lassen sich aus dem ersten Schritt schon drei Erkenntnisse ableiten, die für andere Medizintechnik-Unternehmen relevant sind:

1. Positionierung in der Medizintechnik beginnt mit Haltung, nicht mit Features

Wer Marken im Healthcare-Bereich nur über Produkt-Spezifikationen baut, wird austauschbar. Differenzierung entsteht aus der Haltung gegenüber Patient:innen, Anwender:innen und Markt. Diese Haltung muss zuerst klar sein – dann übersetzt sie sich in Produkt, Sprache und Vertriebsansatz.

2. Begriffe sind strategische Hebel, keine Spielerei

Wer einen Begriff besetzt, der in der Branche noch nicht vergeben ist, schafft sich eine Position, die sich kaum kopieren lässt. „Animal Experience“ ist nicht nur eine kreative Wortschöpfung – sie ist ein semantisches Pfahlsetzen in einem Markt, der gerade erst beginnt, eine Sprache für sich zu finden.

3. Markenarbeit lohnt sich gerade beim Markteintritt

Viele Medizintechnik-Unternehmen warten mit Positionierung, bis das Produkt etabliert ist. Das ist meist zu spät. Wer von Beginn an klar positioniert ist, spart sich später aufwändige Re-Branding-Prozesse – und wird schneller als Referenz im Markt wahrgenommen. Der Brand Foundation Sprint funktioniert genau deshalb: Er gibt Unternehmen in 5 Tagen das Fundament, das sonst sechs Monate dauern würde.

Wie es weitergeht

Wir stehen mit AEOLUS Europe noch am Anfang. Tag 2 widmet sich der Brand Story und dem Messaging – also der Frage, wie sich die entwickelte Identität in Sätze übersetzen lässt, die im Sales-Gespräch, auf der Website und in der Kongress-Kommunikation gleichermaßen funktionieren. Tag 4 ist das KI-Enablement: Wir bauen ein Prompt-System, mit dem das AEOLUS-Team konsistent Inhalte produzieren kann, die nach AEOLUS klingen – nicht nach einer beliebigen KI. Tag 5 ist Co-Creation: Erste fertige Assets, die das System in der Praxis testen.

Wir freuen uns sehr darauf, diesen Weg gemeinsam mit Klaus-Peter von der Eltz, David Song und dem AEOLUS-Team zu gehen. Und wir freuen uns darauf, die Branche dabei mitzunehmen – denn was hier entsteht, ist nicht nur eine Marke. Es ist ein neuer Begriff für ein altes Versprechen: dass Tiere in der Medizin den gleichen Anspruch auf Würde und Sorgfalt verdienen wie Menschen.

Wenn ihr selbst in der Medizintechnik unterwegs seid und vor einer ähnlichen Aufgabe steht – Positionierung, Markteintritt, neuer Produktstart – sprecht uns gerne an. Der Brand Foundation Sprint ist genau für solche Situationen gemacht.


Über AEOLUS Europe

AEOLUS entwickelt seit 1996 weltweit veterinärmedizinische Geräte mit Schwerpunkt auf Intensivpflege. Das Produktportfolio umfasst Animal ICUs, Sauerstoffkäfige, Inkubatoren für Neonatal-Patienten und ergänzende Klinik-Ausstattung. AEOLUS Europe verantwortet die Markteinführung und den Ausbau im europäischen Raum.

Über Superblau

Superblau ist eine Beratung für Positionierung, Go-to-Market und digitale Produkte mit Sitz in Köln. Wir arbeiten mit Mittelstand, Scale-ups und ambitionierten Marken in komplexen Märkten – darunter Medizintechnik, Wissenschaftskommunikation und B2B-Industrie. Mit dem Brand Foundation Sprint bringen wir Markenstrategie und KI-Enablement in einem 5-tägigen Format zusammen.

Bild von Marco Barooah-Siebertz

Marco Barooah-Siebertz

Als Geschäftsführer von Superblau setze ich in Design und Marketing auf die Kraft von Co-Kreation und Workshops. Ich bin Storyteller und Experte für Kommunikation in Medizin, Technologie und Wissenschaft.

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